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Kurt Schwitters

104 - Landschaft aus Opherdicke, 1917

Öl auf Pappe, 55 x 49,8 x 1,5 cm

Sprengel Museum Hannover, Leihgabe Kurt und Ernst Schwitters Stiftung, Hannover, seit 2001

Kurt Schwitters, Landschaft aus Opherdicke

Dieses Ölgemälde auf Pappe entsteht 1917. Kurt Schwitters malt das Bild in groben Pinselstrichen, die er mit dickflüssiger Farbe parallel aufträgt. So erhalten die natürlichen Formen des landschaftlichen Motivs etwas Geometrisch-Flächiges. Die Pinselstriche der dunklen Flächen der Bäume sind freier und wilder aufgetragen. Die Bäume wirken dadurch, als wären sie von stürmischem Wind bewegt. Schwitters verwendet dunkle und natürliche Farben. Nur im Bereich des Himmels und etwas unterhalb der Mitte, im dargestellten Weg, leuchten helle Partien hervor.

Schwitters malt hier eine Landschaft bei Opherdicke, einem kleinen westfälischen Ort in der Nähe von Dortmund. Hier verbringen Kurt und Helma Schwitters am Jahresübergang von 1915 zu 1916 ihre Flitterwochen. Ein früher Förderer des Künstlers aus Hannover stellt dem Paar sein Haus in Opherdicke zur Verfügung. Nach dieser Reise beginnt der Künstler sich allmählich von der traditionell-naturalistischen Malerei zu entfernen. Wie das Gemälde zeigt, nähert sich Schwitters dem Stil der modernen Kunsttendenzen. Das Geometrische der Flächen ist dem Kubismus verwandt, aber auch dem Schaffen von Paul Cézanne. Das Grobe und Wilde wiederum erinnert an den Expressionismus, aber auch an die Werke von Vincent van Gogh.

Schwitters hätte die neuen Kunsttendenzen durchaus schon früher entdecken können. Er studierte ab 1909 in Dresden, wo sich bereits vier Jahre zuvor die Gruppe «Die Brücke» rund um Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel oder Karl Schmidt-Rottluff und weiteren gebildet hatte. Mit ihren expressionistischen Werken und den alltäglich-städtischen Motiven sorgen sie für Aufsehen. Und Dresden wird zum Hotspot der Moderne. Schwitters scheint dies in seinen studentischen Jahren noch nicht wahrzunehmen. Erst jetzt – 1917 – wird die Beschäftigung mit der Moderne in seinen Werken sichtbar.