Digital Guide

Kurt Schwitters

106 - Ohne Titel (Verlag Der Sturm), 1919

Collage, Farbstift, Stempelfarbe und Papier auf Papier, 18,2 x 16 cm

Sprengel Museum Hannover, Leihgabe Kurt und Ernst Schwitters Stiftung, Hannover, seit 2001

Kurt Schwitters, Ohne Titel (Verlag Der Sturm)

«Auf der letzten Ausstellung des Sturm machte ein Mann namens Kurt Schwitters Bilder aus Zeitungartikeln und Klebezetteln, aus Haaren und Fassreifen. Was soll das?»

Diese kritische Aussage stammt aus einem Brief von Lazlo Moholy-Nagy aus dem Jahr 1920. Er wird kurze Zeit später durchaus die «Merzkunst» von Kurt Schwitters, die er hier kritisiert, zu schätzen wissen. Die beiden Künstler lernen sich in der Galerie «Der Sturm» in Berlin kennen. Der Inhaber Herwarth Walden startete mit der gleichnamigen Zeitschrift 1910. Zwei Jahr später gründete er die Galerie. Diese wird zum Ort für moderne Kunst im deutschsprachigen Raum schlechthin. Sie wird zum Zentrum der Avantgarde mit ausgestellten Werken des Expressionismus, Dadaismus, Futurismus, Kubismus und allen namhaften Kunstschaffenden der Moderne. Sie ist nicht nur Ausstellungsort, sondern Dreh- und Angelpunkt der Szene sowie ein Ort zur Vermittlung der Moderne. 

Dies ist ein Werk von Schwitters aus einer kleinen Serie von Stempelzeichnungen, die ab 1919 entsteht. Der Künstler arbeitet im Büro des Verlags «Der Sturm». Wie immer nutzt er, was zur Hand ist: vom Farbstift bis zu Papierfetzen, Briefmarken und den büroeigenen Stempeln. Alles Textliche des Bildes in dunkelrosa Farbe stammt von unterschiedlichen Stempeln. Zu lesen ist etwa: «Das Sekretariat», «Die Redaktion», «Verlag Der Sturm». Er nutzt die Stempel, um Linien und Flächen zu formen. Daneben klebt er den Rand eines Briefmarkenbogens auf. Mit rotem Farbstift malt er mehrere Linien dazu, die die gestempelten Bildelemente verbinden.

Schwitters publiziert im Verlag «Der Sturm» mehrere Texte, ebenso vier «Anna Blume»-Bände und eine Publikation in der Reihe der Sturm Bilderbücher. Von 1918 bis 1928 sind Schwitters’ Werke in der Galerie in Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen.