Kurt Schwitters
105 - Aq. 11. (Bild Frau Gans.), 1919
Aquarell und Bleistift auf Papier, 25,9 x 20,7 cm
Courtesy Galerie Gmurzynska

Dieses Werk zählt zu einer Reihe von ungefähr vierzig Aquarellbildern, die Kurt Schwitters 1919 malt. In dieser Zeit nach dem Ersten Weltkrieg formt sich ein neues Kunstverständnis bei ihm. Die wohlgeordnete Welt seiner naturalistischen Werke macht nun Platz für eine Welt, die in Trümmern liegt und keine Ordnung mehr in sich trägt. Dadaistische Experimente prägen diese Schaffensphase. Dazu zählen die Stempelzeichnungen sowie diese Aquarelle-Reihe.
Im hier ausgestellten Aquarell mit der Nummer 11 malt Schwitters eine eigenartige, fantastisch-surreale Bildwelt. Er verbindet ganz unterschiedliche Motive, deren Zusammenhang nicht klar ersichtlich ist. Auf der linken Seite zeigt der Künstler zwei Figuren: eine männliche fliegt kopfüber durchs Bildfeld; sie trägt einen Hut – aber er sitzt falsch herum auf dem Kopf; darunter befindet sich eine Dame, scheinbar in einer Flasche – dies könnte die «Frau Gans» des Untertitels dieses Werkes sein; denn die Dame blickt auf eine Gans. Diese hat pfeilartige Füsse und in ihrem Körper steckt ein einzelnes Auge. Auf der rechten Seite des Bildes ist eine Windmühle zu sehen. Und am oberen Rand in der Mitte fliegt ein kleines Häuschen in einer Luftblase.
Das Bild ist eine Art Landschaftsbild, ein bisschen Stillleben und auch Porträt – und gleichzeitig überhaupt nichts von all dem. Alles ist aus dem Lot, wild bewegt durcheinandergeworfen. Alles scheint sich zu bewegen, zu rotieren oder zu fliegen. Es ist eine absurde Welt aus den Fugen.
Das scheinbar zufällige Zusammentreffen unterschiedlicher Objekte ähnelt der Haltung der Surrealisten. Jedoch ist es bei Schwitters eben kein zufälliges Treffen, sondern eine bewusste Komposition. Sie ist eher verwandt mit der dadaistischen Technik der Collage, des bewussten Montierens verschiedener Fragmente aus unterschiedlichen Materialien aus unterschiedlichen Zusammenhängen.