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Kurt Schwitters

108 - Ohne Titel (Merz), 1919/1923

Assemblage, Papier, Pappe, Holz, Gewebe und Knopf auf Holz, 21,8 x 20,1 cm

Fondazione Marguerite Arp, Locarno-Solduno

Kurt Schwitters, Ohne Titel (Merz)

«Ich bin Maler, ich nagle meine Bilder.»

Diese Aussage von Kurt Schwitters beschreibt seine Methode, die er als «Merz» bezeichnet, hervorragend. Seine Werke kommen oft als klassische Tafelbilder daher. Meist sind es aber Collagen aus verschiedensten Materialien. Teils sind seine Werke bemalt, aber es ist keine traditionelle Ölmalerei auf Leinwand. Das Montieren und Collagieren verbinden ihn mit dem Dadaismus, kurz Dada. Im Gegensatz dazu sind Schwitters Werke aber oftmals abstrakt. Wie hier in diesem «Merz-Bild»: Es besteht aus verschiedenen Papieren, die eine flächig-geometrische und vor allem abstrakte Komposition bilden. Teils sind es mit Text bedruckte Papiere – wohl aus Zeitungen und Werbungen. Die Texte bleiben aber Fragmente und damit ohne weitere Bedeutung ausser als Hinweise auf den Alltag. Auf dem Bild ist eine Schrift zwar zerschnitten, aber trotzdem lesbar: Es sind die Grossbuchstaben «M» und «E»,«R» und «Z» – also «Merz». Darauf klebt und «nagelt» Schwitters weitere Objekte wie einen Holzknopf oder ein Holzstück in der Mitte der Komposition. Er bemerkt dazu:

«Aber damit war der ganze Schwindel, den die Menschen Krieg nennen, zu Ende. Ich verliess meine Arbeitsstelle ohne jede Kündigung, und nun gings los. ... Ich fühlte mich frei und musste meinen Jubel hinausschreien in die Welt. Aus Sparsamkeit nahm ich dazu, was ich fand, denn wir waren ein verarmtes Land. Man kann auch mit Müllabfällen schreien, und das tat ich, indem ich sie zusammenleimte und -nagelte. Ich nannte es Merz, es war aber mein Gebet über den siegreichen Ausgang des Krieges, denn noch einmal hatte der Frieden wieder gesiegt. Kaputt ist sowieso alles, und es galt aus den Scherben Neues zu bauen. Das aber ist Merz.»

Dieses Werk ist eines von zahlreichen Werken von Schwitters, die im Besitz von Hans Arp waren. Arp und Schwitters verbindet eine langjährige Freundschaft, die bereits 1918 beginnt. Immer wieder arbeiten sie zusammen, verfassen gemeinsam Texte oder widmen sich gegenseitig Werke.