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Kurt Schwitters

121 - Ohne Titel (Farbiger Halbmond), 1937/1940 (1956)

Gips, bemalt, Nachguss, 8,3 x 14,3 x 10,7 cm

Sprengel Museum Hannover, Leihgabe Kurt und Ernst Schwitters Stiftung, Hannover, seit 2001

Kurt Schwitters, Ohne Titel (Farbiger Halbmond)

«Ich modelliere die Farbe und die Form der Oberfläche mit Malerei, damit Modellieren und Malen zu einer einzigen Kunstform werden.»

Diese Skulptur von Kurt Schwitters wird farbiger Halbmond genannt: Weil ihre Form daran erinnert. Doch steht sie nicht aufrecht, wie der Mond am Himmel, sondern liegt auf dem «Rücken». Sie berührt nur an einem Punkt den Untergrund und ist leicht zur Seite geneigt. Würde man ihr einen leichten Stupser geben, würde sie wahrscheinlich hin und her wiegen. Der Künstler hat die Skulptur in leuchtend-bunten Farben bemalt. Dabei ist jede Seite anders. Oben rot, an den Seiten orange und schwarz-weiss. Je nach unserem Standpunkt verändert sich auch das Aussehen der Skulptur.

Die Grösse dieser Skulptur und auch der anderen in diesem Ausstellungsbereich ist eher klein. Sie würden fast alle in die Hand passen. Dagegen ist der Merzbau, dessen Rekonstruktion Sie in der Ausstellung durchlaufen können, eine Skulptur von monumentaler Grösse.

Den originalen Merzbau muss Schwitters in Hannover zurücklassen, als er 1937 nach Norwegen flieht. Dass er in diesem Jahr beginnt, solche kleinformatigen Skulpturen zu fertigen, hat auch mit seiner Fluchterfahrung zu tun. Seine Kunst wird von den Nationalsozialisten als «entartet» betrachtet und aus den Sammlungen deutscher Kunstmuseen entfernt. Schwitters befürchtet, dass sie auch den Merzbau in seinem Privathaus zerstören könnten. Deshalb beginnt er diese kleinformatigen Skulpturen zu machen. Sie sind nicht an einen Ort gebunden, sondern können sogar in die Manteltasche gesteckt und überall mitgenommen werden. Schwitters selbst nimmt sie mit, als er 1940 von Norwegen nach England fliehen muss. Sein Sohn Ernst berichtete, dass Schwitters sogar bei der Überfahrt von Norwegen nach England an einer Skulptur schnitzte.