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Kurt Schwitters

122 - Ohne Titel (Rechte Seite blau), 1941/1942

Öl auf Linoleum auf Hartfaserplatte, 31 x 37,8 x 0,2 cm

Sprengel Museum Hannover, Leihgabe Kurt und Ernst Schwitters Stiftung, Hannover, seit 2002

Kurt Schwitters, Ohne Titel (Rechte Seite blau)

«Auf einsamer Wanderung in der Böhmischen Schweiz, im Winter, sah ich die ewigen Gesetze der Natur. Ich erkannte, dass nur restloses Erfassen dieser Gesetze Kunst sein könnte.»

Dieses Zitat von Kurt Schwitters macht deutlich, dass seine Auseinandersetzung mit der Natur tiefergehend ist und nicht in seinen naturalistischen Landschaftsbildern endet. Die abstrakten Werke, die während seiner Zeit in England zu Beginn der 1940er-Jahre entstehen, wie auch seine kleinformatigen Skulpturen sind die klarsten Zeugnisse davon. Gleichzeitig zählen sie zu den weniger beachteten Werken von Schwitters. Der Künstler erwähnt bereits 1910 in einem Text mit dem Titel «Das Problem der abstrakten Kunst»:

«Ich halte das Nachsinnen über die abstrakte Kunst für sehr gut; aber es darf nicht bestimmend auf die Kunst einwirken. Leiten muss immer die Natur, nicht die Grübelei.»

In diesem Gemälde von 1941/42 malt Schwitters ausschliesslich organisch-abstrakte Formen: rundliche, ovale oder geschwungene. Die Formen sind ineinander verschachtelt und zu einem einzigen Gebilde verbunden. Sie fliessen ineinander und wirken dementsprechend bewegt. Das Bild wirkt wie der Schnitt durch ein Körperorgan. Die Farben sind bunt, teils leuchtend-bunt. Der Hintergrund ist in düsteren, dunklen Farbtönen gehalten.

Bilder wie das hier ausgestellte Werk zeugen von Schwitters Auseinandersetzung mit Hans Arp. Die einfachen organisch-naturhaften Formen in dessen Schaffen inspirieren Schwitters. Wohl bereits 1918 lernt der Künstler Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp kennen. Später wird Schwitters Hans Arp als den einzig wahren Künstler bezeichnen. Beide verkehren in sehr unterschiedlichen künstlerischen Kreisen, von den Dadaisten bis zu den Gruppierungen der abstrakten Kunstschaffenden.