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Kurt Schwitters

112 - Ohne Titel (Alt), 1922

Collage, Gouache und Papier auf Papier, 44 x 36 cm

Privatbesitz, Schweiz

Kurt Schwitters, Ohne Titel (Alt)

Bei dieser Collage ordnet Kurt Schwitters verschiedene Papierstücke zu einer Komposition an. An den welligen Umrisslinien ist erkennbar, dass die verschiedenen Stücke durch das Auseinanderreissen von Papier entstanden sind. Alle sind mehr oder weniger rechteckige Formen, die Schwitters übereinanderschichtet. Ein Schnipsel ist recht transparent und gibt das Darunterliegende frei. Zwei Elemente in petrolfarbenem Blau setzen Akzente: der eine Streifen bildet eine Vertikale, die die Komposition nach oben zieht. Der andere ist kürzer, aber breiter, sodass er ein schweres Gewicht auf die linke Bildhälfte legt. Zudem verwendet Schwitters mit Texten bedruckte Papiere. Zwei davon liegen auf der rechten Bildseite übereinander, so dass die unten liegenden Worte nicht mehr ganz lesbar sind. Hat Schwitters vielleicht das Fragment einer Keks-Werbung verwendet? Klar zu lesen ist das darüberliegende Wort «Alt», das sogar unterstrichen ist und dadurch das Gewicht der Gestaltung in der linken Bildhälfte wieder ausgleicht.

Die Wortfragmente lassen ein Spiel mit Assoziationen zu, entziehen sich aber einem eindeutig bestimmbaren Sinn. Dieses Überlegen, was man mit verschiedenen Worten, Farben oder Strukturen verbindet, welche Bedeutung sie haben können, ist ein wesentlicher Prozess beim Betrachten einer Collage. Absichtlich setzt Schwitters die Papierfragmente nicht zu gegenständlichen Formen zusammen – wie einem Schiff, einer Blumenwiese oder einem Porträt. Es geht ihm mit «Merz» um eine abstrakte Kunst, die nicht mehr visuelle Zeichen zur Abbildung der Realität benutzen will.

Diesen Ansatz teilt Schwitters mit einigen Kunstschaffenden – darunter auch Paul Klee. Die beiden lernen sich vielleicht 1919 kennen, als sie eine gemeinsame Ausstellung bei der Galerie «Der Sturm» in Berlin haben. Den Lebenserinnerungen von Klees Frau Lily zufolge, besuchte Klee im Sommer 1923 in Hannover Sophie Küppers, die Witwe eines Freundes. Bei dieser Gelegenheit lernt er Kurt Schwitters kennen. Klee macht im Anschluss ein Werk für Schwitters. Im Austausch dürfte Klee diese Collage erhalten haben. Sie stammt also aus dem Besitz von Paul Klee.