Kurt Schwitters
113 - Merz Zeitschrift, 1923
Zeitschrift, 22 x 14 cm
Bibliothek für Gestaltung Basel

«Zeitschriften gibt es genug. Aber bislang hat sich keine ausschliesslich für die MERZIDEE eingesetzt. Um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen, habe ich mich deshalb entschlossen, die ZEITSCHRIFT MERZ herauszugeben, die viermal im Jahre erscheinen soll.»
So beginnt Kurt Schwitters den Text seiner ersten Ausgabe der Zeitschrift Merz, die er von 1923 bis 1932 herausgibt. Wenn Sie sich eine Seite der Zeitschrift in Ruhe anschauen, ist da ganz schön viel los. Mancher Text ist klassisch von links nach rechts zu lesen. Teils ist der Text aber auch von oben nach unten angeordnet oder die Schriftrichtung ist senkrecht. Manche Seiten sind auf rotes Papier gedruckt, es werden verschiedene Schriftarten verwendet und auch grafische Elemente wie die Seitenzahlen oder Abbildungen sind in die Gestaltung mit einbezogen.
Die Zeitschrift gibt Schwitters ab 1923 im eigenen «Merzverlag» heraus. Dieser Verlag hat seinen Sitz in Schwitters Privatwohnung in Hannover. Er ist Redakteur, Grafiker und Verleger in einer Person. Seine Frau Helma unterstützt ihn bei Sekretariatsaufgaben, aber ansonsten hat er keine festen Mitarbeiter.
Zur Gründung einer Zeitschrift wird Schwitters während einer Hollandreise von Theo van Doesburg inspiriert. Deshalb sind die ersten Ausgaben noch stark an niederländischer Typografie orientiert. Spätere Nummern erscheinen zweisprachig auf Französisch und Deutsch. Das ist insoweit bemerkenswert, weil zu dieser Zeit Frankreich als Feind der deutschen Weimarer Republik angesehen wird. Zwei Hefte bringt Schwitters auch als Kooperationsprojekte mit den Künstlern Hans Arp oder El Lissitzky heraus. Dadurch werden auch die Formate abwechslungsreicher, experimenteller und konstruktivistischer.
Schwitters nutzt die Zeitschrift als Instrument, um von Hannover aus mit der zeitgenössischen Kunstszene Europas vernetzt zu bleiben und seine «Merz»-Idee bekannt zu machen. Anhand von Werbeanzeigen für andere Avantgarde-Zeitschriften aus Argentinien, Japan, Jugoslawien oder den USA wird erkennbar, wie global dieses Netzwerk ist. Jedoch kann Schwitters nicht genug Geld durch Abonnements und Verkäufe einnehmen. Wegen der fehlenden Finanzierung erscheint die Zeitschrift ab 1925 unregelmässiger und entfernt sich inhaltlich von einer klassischen Kunstzeitschrift.