Kurt Schwitters
114 - Werbeblatt: H. Bahlsens Keks-Fabrik A.-G. Hannover - Keks ist das Universal-Nahrungsmittel, um 1929
Buchdruck / Typographie, 30 x 21 cm
Bibliothek für Gestaltung Basel

Kurt Schwitters ist ein Tausendsassa. Eine der weniger bekannten Seiten seines Schaffens ist seine Tätigkeit als Typograf und Werbegestalter. Das zeigt sich in der Gestaltung eigener Druckerzeugnisse wie seiner Zeitung Merz. In einem seiner Hefte von 1924 hält Schwitters sein Motto im Bereich Gestaltung fest:
«Mach es niemals so, wie es jemand vor Dir gemacht hat.»
Über die Herstellung der Zeitung und anderer Druckerzeugnisse rund um sein «Vermerzen» entdeckt Schwitters erst das Potenzial von Typografie und Grafikdesign. Die 1920er-Jahre sind aber generell eine Blütezeit der Typografie in einer neuen, modernen Designsprache. Zahlreiche Kunstschaffende gestalteten eigene Magazine und Drucksachen und arbeiteten in der Grafik- und Werbebranche. Schwitters gründet 1924 die «Merz-Werbezentrale». Jetzt arbeitet er im Auftrag für Firmen wie die Keks-Firma Bahlsen oder für den Schreibwarenhersteller Pelikan. Den grössten Auftrag erhält er von der Stadt Hannover, für die er ab 1929 fünf Jahre lang alle Drucksachen gestaltet – vom Briefpapier, über Formulare, Zeugnishefte bis zu Werbebroschüren.
In dieser Werbung für Kekse von Bahlsen hebt Schwitters in Grossbuchstaben, fetter Schrift und grösserer Schriftgrösse die zentralen Aussagen geschickt hervor. Die Hervorhebung der vielfältigen Verwendungszwecke gelingt Schwitters, indem er sie zentral platziert und durch die Linien, die ein schräge Fläche ergeben, noch betont. Daneben bleibt auch Platz für leere Flächen. Mit wenigen Mitteln kann er so das Produkt gezielt anpreisen.
Die meisten hier ausgestellten Gestaltungsarbeiten von Schwitters stammen aus der Sammlung von Jan Tschichold. Dieser wurde 1902 in Leipzig geboren und studierte dort an der renommierten Staatlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe. Ab 1923 ist er selbstständig als Typograf tätig. Neben seiner eigenen gestalterischen Tätigkeit sammelt er Arbeiten von anderen Grafikern aus seinem Umfeld – so auch von Schwitters.