Kurt Schwitters
115 - Ohne Titel (8001, mit schwarzen Pfeilen), 1926/1929
Papier (Fehldruck, beschnitten), 14,3 x 11,2 cm
Sprengel Museum Hannover, Hannover, Leihgabe Land Niedersachsen

«Alles, was ein Künstler spuckt, ist Kunst.»
Kurt Schwitters erwähnt dies 1925 und versucht damit auszudrücken, dass Merz keine traditionell gedachte Kunstströmung ist: Merz ist nicht auf ein Medium beschränkt, Merz hat keine Grenzen, Merz ist vor allem Teil des Lebens und des Alltags.
Die hier gezeigten druckgrafischen Arbeiten zählen zu Schwitters weniger bekannten Werken, machen aber diesen «Merz-Standpunkt» mit Blick auf Alltägliches, Gefundenes und Abfall besonders deutlich. Es handelt sich um Fehldrucke, die in der Hannoveraner Druckerei Molling entstanden sind. Dort liess Schwitters Werke drucken. Üblicherweise würden solche Blätter im Müll enden. Schwitters jedoch beschneidet die Fehldrucke auf einen gewünschten Ausschnitt, klebt diesen auf einen Karton und signiert das so entstandene Bild! Und schon ist der Fehldruck ein Kunstwerk!
Bei diesem Werk überlagern sich gedruckter Text und Zeichenformen wie ein Pfeil, der etwas verschoben gleich zwei Mal erscheint. Text und abstrakte Komposition überlagern sich. 1920 beginnt Schwitters mit dieser Werkserie, die er «i» nennt. Im «Merz-Heft 2» von 1923 beschreibt er seine «i-Kunst»:
«i ist der erste Buchstabe, i ist der einfachste Buchstabe, i ist der einfältigste Buchstabe. Ich habe diesen Buchstaben zur Bezeichnung einer spezialen Gattung von Kunstwerken gewählt, deren Gestaltung so einfach zu sein scheint, wie der einfältigste Buchstabe i.»
Schwitters «i-Kunst» zieht sich von Texten und Gedichten, über Collagen bis zu den «i-Zeichnungen», wie sie hier zu sehen sind. Die Werke sind eine Art Readymade, ein Begriff, den Marcel Duchamp in den 1910er-Jahren geprägt hat. Duchamp stellte Flaschentrockner oder umgedrehte Fahrräder in den Ausstellungsraum und bezeichnete diese handelsüblichen, von ihm nicht oder kaum bearbeiteten Objekte als Kunst. Dabei wird erstmals die künstlerische Idee oder ein Konzept wichtiger als die Ausführung eines Kunstwerks.