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Kurt Schwitters

116 - Bruderholz, 1935

Collage, Papier, Stanniolpapier und Karton auf Papier, 39 x 30,8 cm

Emanuel Hoffmann-Stiftung, Depositum in der Öffentlichen Kunstsammlung Basel

Kurt Schwitters, Bruderholz

Bei der Collage Bruderholz hat Schwitters einen dunklen Hintergrund geschaffen, auf dem er helle Papierstücke anordnet. In der linken Bildhälfte sticht einem die Orangene Farbe mit dem Schriftzug «Sonntag» ins Auge. Darunter steht: 

«1499 Sieg der Eidgenossen beim Bruderholz über die Deutschen.» 

Das ist das historische Ereignis, bei dem Berner, Luzerner und Solothurner die Schlacht am Bruderholz bei Basel gegen die kaiserlichen Soldaten des schwäbischen Bundes gewannen. Die Anordnung eines Kreises und eines langen, dünnen Papierstreifens am unteren Bildrand erinnert an eine Kanone.

Es ist interessant, dass Schwitters dieses Ereignis, das als Sinnbild für den Freiheitsdrang der Schweizer gesehen werden kann, in seine Collage aufnimmt. Die Collage zeigt, wie wichtig die Kontakte in die Schweiz für Schwitters waren. Denn im Jahr 1935 ist Schwitters in Deutschland in die innere Emigration gezwungen. Nur bei Reisen, beispielsweise in die Schweiz findet er eine Offenheit gegenüber seiner Kunst bei Freunden und Sammlern der Moderne.

«In Basel war es wundervoll, sehr begeisterte und liebe Leute, viel Tanz, 6 Verkäufe, viel zu sehen an Bauten, Museen, Natur. Ich war 11 Tage da und habe es sehr genossen.»

Schwitters war 1935 in Basel. Er wurde eingeladen, dort einen Vortragsabend beim Sammlerpaar Annie und Oskar Müller-Widmann zu halten. Diese leben im Basler Stadtteil Bruderholz. Der Erfolg dieses Vortragsabends und die positive Resonanz zu seiner Kunst schenken Schwitters neue Kraft und helfen ihm aus der Resignation, die die politische Situation in Deutschland bei ihm verursacht.

Am gleichen Tag fertigt Schwitters auch diese Collage an. Er lässt sie bei seiner Abreise bei einem Bekannten in der Hoffnung, dass er einen Käufer für sie findet. 1945, also fast zehn Jahre später, ist das Werk dann in einer kleinen Ausstellung mit Schwitters’ Collagen im Kunstmuseum Bern zu sehen. Nach seinem Tod im Jahr 1948 findet in Basel die erste posthume Gedenkausstellung für Schwitters statt. Dort wird die Collage von Maja Sacher, der Begründerin der Emanuel-Hofmann-Stiftung, gekauft. So erhält das Werk wiederum eine Würdigung von einer Schweizer Sammlerin.