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Kurt Schwitters

119 - Ohne Titel (Djupvasshytta mit Kallebu), 1937/1939

Öl auf Pappe,

Sprengel Museum Hannover, Leihgabe Kurt und Ernst Schwitters Stiftung, Hannover, seit 2002

Kurt Schwitters, Ohne Titel (Djupvasshytta mit Kallebu)

«Neue Kunst, ausser Architektur, gibt es hier nicht, aber das Land ist unbeschreiblich schön. Die Fjorde, unsere Insel, Oslo, Stockholm, die Wickingerschiffe, das ist wohl das Wichtigste.»

Dies erwähnt Kurt Schwitters im Juli 1937 in einem Brief an eine Bekannte. Ab Anfang 1937 ist er im Exil in Norwegen. Mit seinem Sohn Ernst lebt er in Lysaker in der Nähe von Oslo, während der Sommerzeit oft in Molde und auf der nahegelegenen Insel Hjertøya. In Norwegen ist er weitgehend isoliert von der Kunstszene und seinen Künstlerfreundinnen und -freunden. Und wie er selbst erwähnt, gibt es in Norwegen keine Avantgarde-Kunstszene.

Um trotzdem seinen Lebensunterhalt zu verdienen, widmet sich Schwitters vermehrt der Landschafts- und Porträtmalerei. Er malt in Auftrag Porträts und seine Landschaftsbilder kann er an Touristen verkaufen. Die Landschaftsbilder sind vielleicht nicht nur Broterwerb, Schwitters sieht auch einen Zusammenhang zwischen dem Studium der Natur und abstrakter Kunst. So erwähnt er in einem Brief 1937:

«Ich male Landschaft und Porträt, und komme da weiter und weiter. Ich bin ja nicht der Ansicht, dass die Malerei sich nun nicht mehr mit der Natur als Einzelerscheinung zu beschäftigen habe, nachdem die abstrakte Gestaltung sich als kompositionell beste Lösung erwiesen hat.»

Und im selben Brief erwähnt er, wie wichtig das «leidenschaftslose Studium der Natur» neben der abstrakten Gestaltung ist. Bei näherer Betrachtung seiner Landschaftsbilder erhält man eher den Eindruck, dass sie vor allem als Broterwerb dienten. Sie wurden auch lange als Nebenprodukt, als Kitsch und reiner Gelderwerb angesehen.