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Kurt Schwitters

123 - Ohne Titel (Porträt Alfred Sohn-Rethel 1), 1941

Öl auf Papier auf Leinwand (doubliert), 55 x 70 cm

Sprengel Museum Hannover, Leihgabe Kurt und Ernst Schwitters Stiftung, Hannover, seit 2001

Kurt Schwitters, Ohne Titel (Porträt Alfred Sohn-Rethel 1)

«Unser Lager ist gross, mehrere Strassen, ein grosser Platz mit vielen Blumen, und viele interessante Menschen. Ich höre Vorträge über Philosophie, Kunst, und Konzerte, und male viele interessante Köpfe. Noch habe ich Farben, und die Frau eines Bildhauers hier, mit dem ich befreundet bin, hat mir aus London Material gesandt.»

Kurt Schwitters berichtet hier im August 1940 in einem Brief aus dem Internierungslager Hutchinson Camp in Douglas auf der Isle of Man. Aufgrund des Einmarsches der Nationalsozialisten in Norwegen flüchten Kurt und Ernst Schwitters im Frühjahr dieses Jahres nach England. Als deutsche Staatsbürger gelten sie dort als feindliche Ausländer. Sie werden mit Hunderten anderen – vor allem österreichischen und deutschen Staatsbürgern – interniert. 

Einer davon ist der deutsche Ökonom Alfred Sohn-Rethel. Er flüchtete 1936 aus Deutschland über Frankreich nach England. Aufgrund seiner kommunistischen Gesinnung und seiner Kontakte zu linkssozialistischen Widerstandsgruppen musste er eine Verhaftung befürchten. Schwitters malt Sohn-Rethel in zurückhaltenden, düsteren Erdtönen. Seine Hautfarbe hebt sich kaum von der Farbe der Wand im Hintergrund ab. Der Künstler zeigt Sohn-Rethel in kauernder Stellung. Pfeife rauchend blickt er uns direkt an. Mit der einen Hand, die zur Faust geballt ist, hält er seine Pfeife. Die sehr gross wirkende Hand verbirgt einen Teil seines Gesichtes – als müsste er sich schützen.

Der kontaktfreudige Schwitters pflegt zu vielen der Internierten Kontakt. Er zeichnet und malt sie, kann teils sogar Porträts verkaufen. In einem Brief erwähnt Schwitters gegenüber seiner Frau, dass seine Kunst einen «ungeahnten Aufschwung» erlebe und dass er glaube, «bald ein berühmter Porträtist zu werden».