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Kurt Schwitters

124 - Ohne Titel (Porträt Ernst Schwitters), 1941

Farbstift auf Papier, 23,9 x 18,3 cm

Sprengel Museum Hannover, Leihgabe Kurt und Ernst Schwitters Stiftung, Hannover, seit 2001

Kurt Schwitters, Ohne Titel (Porträt Ernst Schwitters)

Der in dieser Farbstiftzeichnung Porträtierte ist Kurt Schwitters’ Sohn Ernst. Er umreisst ihn in raschen und sicheren Linien in seitlicher Ansicht. Mit groben Schraffuren zeichnet Schwitters Schattenpartien und gestaltet das Porträt so plastisch. Dabei variiert er die Linie: von feinen Linien und Schraffuren im Gesicht bis zu dicken, dunklen Linien bei den Haaren oder den Schattenpartien der Schulter. Die Zeichnung zeigt Schwitters Können im raschen Festhalten von Gesichtszügen und im Porträtieren im Allgemeinen. 

Das Porträt ist 1941 entstanden, wohl noch während der Zeit, in der beide auf der Isle of Man interniert sind. 

Der Dargestellte Ernst Schwitters wurde 1918 geboren. Er erhielt bereits als 9-Jähriger seine erste Fotokamera. Nach dem Abschluss seiner Schulzeit arbeitete er als Fotograf und war an internationalen Ausstellungen mit seinen Fotografien vertreten. Er ist inspiriert vom Neuen Sehen, einer modernen Tendenz der Fotografie. Ab 1930 lebt er immer wieder in Norwegen, teils mit seinen Eltern. 1934 tritt er der Sozialistischen Arbeiterjugend bei, einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus. Die Gruppe wird zwei Jahre später von der Polizei aufgelöst. Ernst Schwitters muss nun mit der Verhaftung rechnen und flüchtet Ende 1936 nach Norwegen. Sein Vater folgt ihm kurze Zeit später. Gemeinsam bleiben sie in Norwegen bis zum Einmarsch der Wehrmacht 1940. Beide flüchten wieder und landen schlussendlich in England. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Ernst Schwitters vorwiegend als Industriefotograf tätig. Er ist ein wichtiger Zeitzeuge rund um das Leben und Schaffen seines Vaters und stirbt 1998.