Kurt Schwitters
120 - Vorfrühling, 1947
Collage, Papier, Wellpappe und Karton auf Pappe, 50 x 40 cm
Private Collection

Diese Collage stammt aus den letzten Schaffensjahren von Kurt Schwitters. Am 7. Januar 1948 stirbt der Künstler in seinem sechzigsten Lebensjahr in einem Krankenhaus an einem Lungenödem und einer Herzmuskelentzündung. Bereits vorher kämpft er mit Asthmaanfällen und hat einen Blutsturz. Trotzdem arbeitet er weiter an Gemälden und Collagen wie auch an einem neuen Merzbau – der sogenannten Merz Barn, einer «Merz Scheune».
Schwitters verwendet für diese Collage Dutzende kleine Papierschnipsel. Darunter viele Fetzen gefundener Drucksachen – Produktwerbung, Verpackungen oder Fahrkarten aus England, wo er seit 1940 im Exil lebt. Praktisch alle Einzelteile sind in ihrer Farbigkeit auf Weiss und Beigetöne beschränkt, was die Aufmerksamkeit auf ihre Form und ihre Materialität fokussiert. Assoziationen entstehen durch die Herkunft der vielfältigen Materialien, weniger durch die Komposition.
Naum Gabo, selbst Künstler und langjähriger Freund von Schwitters, erwähnt nach dessen Tod:
«Mitten im lebhaften Gespräch verstummte er plötzlich, in tiefe Kontemplation versunken. Man hätte glauben können, er beobachte ein Wunder in der Natur. Nie konnte man erraten, was in aller Welt ihn an diesem belanglosen Fleckchen Boden fasziniert hatte. Dann nahm er etwas auf, was sich als ein alter Papierfetzen von einer bestimmten Textur, als eine Briefmarke oder ein weggeworfener Fahrschein herausstellte. Immer reinigte er es sorgfältig und liebevoll und zeigte es einem dann triumphierend. Erst dann ging einem auf, welch exquisiten Farbton dieser zerfetzte Schnipsel hatte.»
Besonders ins Auge sticht in der oberen Ecke des Bildes die Werbung für die Malschule des rumänischen Künstlers Arthur Segal mit der Aufschrift «Colour and Light» – Farbe und Licht. Als möchte Schwitters damit auf grundlegende Aspekte und Gestaltungselemente der Malerei hindeuten und dies in Form einer Collage!