Kurt Schwitters
117 - Die frühlingstür, 1938
Assemblage, Öl, Holz Gips, Metall, Schuhabsatz, Pappe und Leder? auf Holz, genagelt, 87,8 x 72 cm
Courtesy Galerie Gmurzynska

«Die frühlingstür» nennt Kurt Schwitters dieses Bild von 1938. Der Künstler bemalt und bearbeitet hier eine Holztafel, die teils noch sichtbar ist. Darauf zeichnet er mit Bleistift eine Komposition aus sichelförmigen Flächen und Kreissegmenten. Die Formen überlagern und durchschneiden einander. Die durch diese Zeichnung entstandenen Flächen bemalt Schwitters nur zum Teil mit Weiss, Grüntönen, Orange und Blautönen. Im oberen Teil nagelt er mehrere Holzlatten wie eine Rahmung über die bemalte Fläche. Auf der Latte ganz links bringt er ein Schild mit der Zahl «22» an. Im unteren Teil sind mehrere Holz- und Metallstücke aufgenagelt sowie der Absatz eines Schuhs. In der rechten unteren Ecke befindet sich ein in Gips gefasster Stein.
Die Holzlatten erinnern an eine Türrahmung. Vielleicht ist die Türe geöffnet und erlaubt den Blick auf eine Frühlingslandschaft – schliesslich heisst das Werk «Die Frühlingstür». Die Malerei könnte man durchaus als Bild der Natur oder gar einer Landschaft auffassen – als abstrakte Reduktion auf die kreisenden Kräfte der Natur, auf Wachstum und Veränderung. Der eingefasste Stein passt als konkreter Gegenstand der Natur bestens dazu. Und der Schuhabsatz bringt den Menschen, vielleicht im Gang in die Natur, mit ins Spiel.
Die Nummer «22» könnte auf die Nummer des Hauses verweisen, in dem Schwitters im norwegischen Lysaker lebt. Das Werk entsteht auf der norwegischen Insel Hjertøya im Fjord von Molde. Erstmals ist Schwitters 1929 während einer Norwegenreise mit seiner Frau auf Hjertøya. Ab 1930 halten sie sich regelmässig während der Sommermonate dort auf. Eine kleine Steinhütte, die Schwitters umbaut, ist ab 1932 ihr zuhause auf der Insel. Später wird der Künstler die Hütte im Sinne eines Merzbaus weiter umbauen. Die gerade mal drei Kilometer lange Insel Hjertøya wird für Schwitters zu einer paradiesischen Ideallandschaft.