Paul Klee
06 - Candide 10 Cap. vous ne savez pas ma naissance, 1911
Feder auf Papier auf Karton, 15,4 x 23,1 cm
Zentrum Paul Klee, Bern

Ab 1911 arbeitet Paul Klee an Illustrationen zu dem Roman Candide ou l’optimisme von Voltaire. Viele der in diesem Kontext entstandenen Blätter sind beidseitig bearbeitet. Die Bearbeitungen machen Klees Weg zur endgültigen Form sichtbar.
Nach der Heirat mit Lily Stumpf zieht Klee 1906 von Bern nach München. Hier nimmt seine künstlerische Produktion deutlich zu. Es entstehen vermehrt beidseitig bearbeitete Bilder, zumeist Studien und Varianten. Bei bestimmten Werken ist ein klarer inhaltlicher und kompositorischer Zusammenhang erkennbar.
Ein Beispiel dafür sind Klees Illustrationen zu einem Publikationsvorhaben des Candide. Die Titelfigur inspiriert Klee zu einem neuen Figurentypus mit schemenhaftem Stil zwischen Gegenständlichkeit und freier Form. Die mit unruhigem Gestus gezeichneten Figuren finden sich auf Vorder- und Rückseite des Papiers. Die Transparenz des Blattes lässt das rückseitige Bild durchscheinen und macht ein Stadium des Schaffensprozesses auf der Suche nach der endgültigen Form sichtbar.
Die hintergründig durchscheinenden Formen sind Vorzeichnungen und formale Varianten. Zudem lassen sich diese nicht greifbaren Gestalten inhaltlich mit dem Roman in Bezug setzen, in dem das Unheil als stete Bedrohung unterschwellig präsent ist.
Erst 1920 erscheint die Publikation mit Klees Illustrationen im Münchner Kurt Wolff Verlag. Das Projekt begleitete Klee über viele Jahre in einer Phase grosser künstlerischer Entwicklung. Aus diesem Grund nimmt es in Klees Werk eine zentrale Rolle ein.