Digital Guide

Paul Klee

07 - es kommt über mich, 1938

Kreide auf Papier auf Karton, 27,1 x 21 cm

Zentrum Paul Klee, Bern, Schenkung Livia Klee

Paul Klee, es kommt über mich

In den Jahren vor seinem Tod 1940 fertigt Klee zahlreiche Zeichnungen und Aquarelle auf halbtransparenten Bildträgern. Vielfach liegen die Linien der Vorder- und Rückseiten übereinander. Neben der kompositorischen Verbindung lässt sich häufig auch ein inhaltlicher Bezug denken.

Auf der Zeichnung es kommt über mich (1938) scheinen deutlich die Konturen einer seitlich liegenden Frau mit blossen Brüsten und S-förmigen Ohren von der Rückseite durch. Augen und Nasen der Figuren beider Seiten sind deckungsgleich. Die Linie des abstützenden Arms der vorderseitigen Figur zeichnet die innere Gerade des angewinkelten Oberarms der rückseitigen Figur nach. es kommt über mich? Hat das «Überkommen» etwas mit der hintergründig dargestellten Schönheit zu tun?

Das in hellen, freundlichen Farben gehaltene Aquarell nachsinnend (1939) zeigt ein Gesicht mit nachdenklich nach unten blickenden Augen. Nur das Gesicht ist als solches zu erkennen, die übrige Komposition setzt sich rein aus abstrakten farbigen Flächen zusammen. Auf der Rückseite dieser Arbeit ist eine weitere Figur zu erkennen. Sie hat Engelsflügel, die Augen sind geschlossen. Es liegt nahe, diese verborgene Gestalt als den ursprünglichen «nachsinnenden» Zustand zu lesen, während sich in den sich öffnenden Augen der Vorderseite bereits die erwachsende Erkenntnis ablesen lässt.

Auch der Titel von Urchs, unschlüssig (1939) erhält mit Blick auf die Rückseite eine neue Dimension. Ein weiterer Urchs – ein Ur-Ochse – ist auf der Rückseite gezeichnet. Die Zeichnungen der Körper der Urchse überlagern sich, was sie quasi zu einer Einheit verbindet. Jedoch blickt der rückseitige Teil in die entgegengesetzte Richtung! Es scheint, als wisse der «unschlüssige Urchs» nicht, in welche Richtung er sich wenden soll. Stattdessen verharrt er im Zustand des Unentschieden-Seins.