Paul Klee
13 - Lote, 1925
Feder und Aquarell auf Papier auf Karton, 20,1 x 30,9 cm
Privatbesitz Schweiz, Depositum im Zentrum Paul Klee, Bern

Eine Infrarotreflektogramm enthüllt auf der Rückseite von Lote (1925) eine figürliche Darstellung. Damit vereint das Blatt zwei gegensätzliche Bereiche in Paul Klees Schaffen: seine Auseinandersetzung mit Abstraktion und kunsttheoretischen Fragen sowie mit figurativen Darstellungen und esoterischen Themen.
Das Aquarell Lote entsteht im Kontext von Klees bildnerischer Form- und Gestaltungslehre am Bauhaus in Weimar und Dessau. Er thematisiert hier «das Gesetz von Bewegung im statischen und dynamischen Bereich».
Die rote Aquarellfarbe ist mittels Spritztechnik auf das Ingrespapier aufgetragen. Der dadurch entstehende wolkige Farbauftrag vermittelt den Eindruck kosmischer Schwerelosigkeit. Im Kontrast dazu stehen die umgekehrten T-Elemente wie Symbole der irdischen Schwerkraft. Das Bild gliedert sich so in drei Bereiche – Erde, Atmosphäre und Kosmos –, die den Übergang vom Statischen zum Dynamischen markieren.
Auf der Rückseite findet sich hingegen eine um 90 Grad gedrehte Darstellung einer menschlichen Gestalt, begleitet von einem tierartigen Wesen. Die Figur trägt auf der Stirn ein drittes Auge, der Körper ist mit Ketten und mystischen Symbolen geschmückt. Diese Attribute zeichnen sie eher als eine gesellschaftliche Randfigur aus – vielleicht ein Zirkuskünstler oder Magier.
Damit stehen sich auf den beiden Seiten des Papiers zwei gegensätzliche Welten gegenüber: die der abstrakten Behandlung kunsttheoretischer Ideen, und die der figürlichen Darstellung des Märchenhaften und Magischen.