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Paul Klee

15 - Ausschreitende Figur, 1915

Feder auf Papier auf Karton, 25,4 x 16,5 cm

Zentrum Paul Klee, Bern

Paul Klee, Ausschreitende Figur

Paul Klee zeichnet die Ausschreitende Figur (1915) auf die Rückseite eines Flugblattes. Die Wahl des Bildträgers ist kein Zufall. Klee setzt damit ein klares Statement – sowohl künstlerisch als auch kunstpolitisch.

Klee gehört zu den Gründungsmitgliedern der 1913 gegründeten Neuen Münchner Secession. Die Vereinigung bildet sich als Reaktion auf die traditionelle Münchner Secession. Viele moderne Künstler:innen fühlen sich dort nicht angemessen repräsentiert.

Die Künstler:innen der Neuen Münchner Secession zeigen im Februar und März 1915 eine Ausstellung. Die Schau erntet scharfe Kritik. Besonders der abstrakte Stil Klees, der mit vierzehn Werken in der Ausstellung vertreten ist, wird stark angegriffen. 

Die Kritik veranlasst die Vereinigungsmitglieder zum Druck eines Manifests, welches als Flugblatt Verbreitung findet. Einen Teil ebendieses Flugblatts montiert Klee mit der bedruckten Seite nach unten auf einen Karton. Der grosszügige Einsatz von Leim und Druck lassen die Buchstaben der Flugschrift durchscheinen.

Darauf zeichnet Klee die Ausschreitende Figur. Der im Bildtitel enthaltene Begriff des «Ausschreitens» eröffnet eine doppelte Bedeutung: Zum einen bezeichnet er das Gehen mit grossem Schritt – einer voranschreitenden Bewegung. Zum anderen tritt die Figur im Bild aus einer viereckigen Tür heraus, und entfernt sich somit vom Geschehen. Das Bild kann also auch als Distanzierung Klees gelesen werden – sowohl von den Kritikern als auch von den Verfassern des Manifests.