1883 Florence Henri wird als Tochter eines Franzosen und einer Deutschen in New York geboren.
1895 Nach dem Tod der Mutter kommt Henri in die Obhut von deren Familie in Grünberg, Schlesien.
1902 Henri beginnt ein Klavierstudium in Paris.
1905 Sie lebt für drei Jahre in England, in London und auf der Isle of Wight. Sie lernt Eugène Ysaye und Rafael Kubelík kennen und studiert bei Percy Grainger.
1907 Ihr Vater stirbt in Paris, Henri zieht zu seiner Schwester Anni Gori und deren Ehemann, dem Dichter Gino Gori, nach Rom, wo sie zahlreiche Vertreter:innen der künstlerischen und literarischen Avantgarde kennenlernt, darunter Filippo Tommaso Marinetti, Luigi Russolo, Luciano Folgore und Gabriele D’Annunzio. Sie studiert bei Ferruccio Busoni.
1909–1911 Zurück in England studiert sie weiter Musik und spielt 1911 zwei Konzerte mit Werken von Edvard Grieg, Franz Liszt und César Franck in der Wigmore Hall in London.
1912–1918 Umzug nach Berlin, wo sie ihr Musikstudium fortsetzt. Sie ist Schülerin von Egon Petri und hat eine Liebesbeziehung mit Michael von Zadora. Ihr Haus wird zum Treffpunkt für avantgardistische Komponisten und Musiker:innen, darunter Edgar Varese. Als sie ab 1914 keinen Zugriff mehr auf ihre finanziellen Mittel in England hat, begleitet sie in einem Kino Stummfilme am Klavier.
Ihre selbstkritische Haltung lässt sie die Musik aufgeben und sich der Malerei zuwenden. Sie besucht die Akademie der Künste in Berlin und malt ihre ersten figurativen Werke.
1919–1923 Sie lernt den Kunsthistoriker Carl Einstein und die Künstler Hans Richter, Hans Arp, John Heartfield, Iwan Puni und László Moholy-Nagy kennen. Sie besucht das Bauhaus Weimar und pendelt zwischen Berlin und München, wo sie Kurse von Hans Hofmann besucht. Sie freundet sich mit Théo und Nelly van Doesburg an.
1924–1925 Henri heiratet den Schweizer Karl Anton Koster und erhält die Schweizer Staatsbürgerschaft.
Sie zieht nach Paris, wo sie bei André Lhote, Fernand Léger und Amédée Ozenfant studiert und sich mit Sonia und Robert Delaunay anfreundet.
1926 Sie stellt mit der Académie moderne in der Galerie d’art contemporain de Paris aus.
1927 Zurück in Berlin schreibt sie sich für Sommerkurse am Bauhaus in Dessau ein, wo sie alte Bekannte wiedertrifft und Paul und Lily Klee, Josef und Anni Albers, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Georg Muche, Marcel Breuer, Lucia Moholy, die mehrere fotografische Porträts von Florence Henri anfertigt, und Walter und Ise Gropius kennenlernt. Sie macht erste Erfahrungen mit der Fotografie.
1928–1929 Ihre fotografischen Arbeiten erregen viel Aufmerksamkeit und sie wird zu den wichtigsten internationalen Ausstellungen zu experimenteller Fotografie eingeladen, darunter Fotografie der Gegenwart im Museum Folkwang in Essen sowie die Ausstellung Film und Foto in Stuttgart.
Durch die Weltwirtschaftskrise verliert sie einen grossen Teil ihres Erbes. Sie eröffnet ein Fotoatelier, das bald zu einem der bekanntesten in Paris wird. Sie bietet Fotokurse an und formt so eine neue Generation von Fotograf:innen, darunter Gisèle Freund, Lisette Model und Lore Krüger.
1930 Einzelausstellung im Studio 28 in Paris sowie Teilnahme an der internationalen Ausstellung Das Lichtbild in München. Es entstehen zahlreiche Porträts von Frauen, die oft auf den Titelseiten von Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt werden.
1931 Ihre Arbeiten sind Teil der Ausstellungen Foreign Advertising Photography in New York, Die neue Fotografie im Kunstgewerbemuseum Basel und Photographie d’aujourd’hui in der Galerie La Plume d’or in Paris.
1932 Sie nimmt mit Man Ray, Lee Miller, Herbert Bayer und weiteren an der Ausstellung Modern European Photography in der Julien Levy Gallery in New York und später an der Ausstellung Modern Movement in Photography in der Royal Photography Society in London teil.
Im Sommer reist sie nach Spanien und auf die Inseln Ibiza und Formentera.
1933 Am 22. Januar eröffnet eine Einzelausstellung im Kunstverein Folkwang in Essen.
Teilnahme an den Ausstellungen L’image photographique en France de Daguerre à nos jours in der Galerie Braun und Salon du nu, exposition internationale du nu esthétique in der Galerie de la Renaissance in Paris.
1934 Mit der Schliessung des Bauhauses in Dessau verlassen viele Künstler:innen Deutschland, einige ziehen nach Paris. Florence Henri porträtiert Wassily Kandinsky, Fernand Léger, Hans Arp, Sonia und Robert Delaunay, Iwan Puni und Jacques Villon.
Einzelausstellung in der Galerie de la Pléiade und anschliessend Teilnahme am Salon international d’art photographique in Paris.
1936–1945 Henri nimmt an der wichtigen Ausstellung Foto 37 im Stedelijk Museum in Amsterdam teil.
Es entstehen fotografische Reportagen, die unter anderem im Magazin Lilliput veröffentlicht werden. In diesen Jahren verändern sich Perspektiven, Lichtverhältnisse und Typologie ihrer Fotografien spürbar.
Sie nimmt die Malerei wieder auf. Der ausbrechende Krieg verhindert ihre kreative fotografische Arbeit, weshalb sie sich während des Krieges vorwiegend der Malerei widmet. Es entstehen nur zwei fotografische Arbeiten: 1940 realisiert sie eine Reportage in der Bretagne und 1942 mehrere Porträts des Schriftstellers Ernst Jünger.
1951–1962 Henri unternimmt längere Reisen nach Tossa (1953), Ischia (1954) und Torremolinos (1955) sowie auf die Insel Mykonos (1956) und die Kanaren (1959). Es entstehen zahlreiche, durch ihre Reisen inspirierte Gemälde.
1952 Ausstellung in der Galerie Nebelung in Düsseldorf. Ihre Fotografien der 1930er-Jahre werden in verschiedenen Magazinen abgedruckt, darunter in der N–Z Wochenschau.
1953 In Paris fotografiert sie die berühmte Tänzerin Rosella Hightower und in den folgenden Jahren den Maler E. W. Nay.
1955 Einzelausstellung mit Gemälden in der Duisburger Bücherstube.
1963–1970 Sie verlässt Paris und zieht nach Bellival, wo sie gemeinsam mit Jeanne Taffoireau ein altes Bauernhaus restauriert und sich in einem Teil des Gebäudes ein Atelier einrichtet.
1970–1981 Sie widmet sich anhand der alten Negative der Edition und den Abzügen ihrer Fotografien. Es entstehen Collagen und eine letzte Serie abstrakter Werke, bevor sie durch einen schweren Unfall bewegungsunfähig wird.
Eine vertiefte Auseinandersetzung mit ihrem Werk durch verschiedene Kunsthistoriker:innen führt dazu, dass ihr zahlreiche Retrospektiven ausgerichtet werden, darunter im Westfälischen Kunstverein Münster, in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, im Palazzo Pilotta in Parma, in der Banco di Chiavari e della Riviera Ligure in Genua, im Musée national d’art moderne – Centre Georges Pompidou in Paris, im Musée d’art et d’histoire in Genf und im Musée de Chambéry.
1982 Florence Henri stirbt am 24. Juli in Compiègne.