Fokus. Hans Fischli

Die Ausstellung Hans Fischli. Zellengebilde nimmt das Frühwerk des Künstlers, Architekten und Bauhausschülers Hans Fischli (1909–1989) in den Blick. Im Schatten des Ersten Weltkriegs und des aufkommenden Nationalsozialismus entstehen ab Ende der 1920er-Jahre Fischlis zarte Papierarbeiten, die von der sich damals formierenden Moderne zeugen. Kurz nach seiner Rückkehr vom Bauhaus, wo er bei Paul Klee, Josef Albers, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer studiert hatte, widmet sich der junge Künstler, neben der Arbeit als Architekt, für einige Jahre fast ausschliesslich dem Medium der Zeichnung.

Für Fischli ist die gleichzeitige Auseinandersetzung mit dem Neuen Bauen und der künstlerischen Praxis entscheidend. In beiden Domänen sucht er den Ansatz, aus «möglichst wenig viel zu machen». Klee motiviert ihn zu Materialexperimenten und zeigt ihm einen Umgang mit Zeichen und Symbolen auf. Fischlis künstlerische Ansätze sind sowohl durch die Lehre am Bauhaus als auch durch die Begegnung mit Otto Meyer-Amden in Zürich geprägt, dessen Werke das Unsichtbare und Flüchtige über das Analytische stellen.

 

«‹Ich komme erst gar nicht, um mich von euch prüfen zu lassen, ob ihr mich wollt oder ob ihr mich brauchen oder nicht brauchen könnt, ich will nicht.› Das führte zu drei Monaten Isolationshaft, die für mich enorm wichtig gewesen sind, weil ich endlich einmal nichts anderes machen konnte als zu zeichnen.»
Hans Fischli im Interview, 11. April 1986

Während einer dreimonatigen Haftstrafe im Bezirksgefängnis Meilen, die er wegen Dienstverweigerung im Sommer 1930 verbüsst, entsteht in der Isolation eine umfassende Werkgruppe: die nummerierte Serie Zellengebilde. Sie bildet den Ausgangspunkt dieser Ausstellung.

Auf kleinem Format schafft Fischli filigrane, organische Formen und Figuren mit Tusche, Bleistift, teils auch mit sanfter Aquarell- oder Farbstiftkolorierung. Die Präzision seines Strichs und die kleinteilige Gliederung der Kompositionen erinnern an wissenschaftliche Darstellungen der Naturwissenschaften. Manche Figuren ahmen menschliche Züge nach, andere scheinen eher Tiere, Fabelfiguren oder Pflanzen darzustellen. Ihr Entstehungsort, die Gefängniszelle, und der Zustand des Künstlers führen ihn zur bildhaften Darstellung des Lebens: der Zellteilung. Das Träumerische dieser Fantasiebilder unterscheidet sich von der Auffassung einer konstruktiven Moderne, die nach objektiven, rationalen Prinzipien in der Abstraktion strebt.

 

Über das bildnerische Frühwerk hinaus, stellt die Ausstellung drei ausgewählte Architekturprojekte Fischlis vor, die anschaulich die bewegte politische Zeit der 1930er- und 1940er-Jahre widerspiegeln: Fischli als Ausstellungsarchitekt für die Wanderausstellung Kriegsgefangen (1945) des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sowie als pädagogisch-interessierten Erbauer des Kinderdorfes für Kriegswaisen La Rasa bei Varese in Norditalien (1949/50). Auch ein bisher kaum beachtetes Frühwerk Fischlis findet Eingang in die Präsentation: Für seinen Freund und ehemaligen Lehrer am Bauhaus, Oskar Schlemmer, entwirft Fischli ab 1936 ein Atelierwohnhaus.

Diese Ausstellung wurde kuratiert von Fredi Fischli & Niels Olsen, gta Ausstellungen, ETH Zürich.

In der englischsprachigen Podcast-Reihe «bauhaus faces» können Sie mehr über Hans Fischli erfahren:

bauhaus faces podcast: Hans Fischli

Zellengebilde

Montana

Atelierwohnhaus für Oskar Schlemmer, Sehringen, Schwarzwald (DE) 1936/1937

Kinderdorf La Rasa, Varese (IT) 1949/1950

Olga Fischli-Hofer

Celerina

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