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1. Die frühen Jahre

Kurt Schwitters beginnt seine Laufbahn mit einer künstlerischen Ausbildung in Hannover und in Dresden. Die Dresdner Kunstakademie steht avantgardistischen Experimenten fern. Im Studium liegt der Fokus auf Porträt- und Landschaftsmalerei, guten technischen Fähigkeiten und naturalistischer Darstellung. Schwitters experimentiert zwar mit den Bildmotiven, doch neuartige Strömungen wie Kubismus, Futurismus oder Expressionismus nimmt er noch nicht wahr. Tatsächlich wird die naturalistische Malerei für ihn zeitlebens eine gültige Ausdrucksform bleiben. Dies unterscheidet ihn von anderen Vertreter:innen der modernen Kunst wie etwa Paul Klee, die nach frühen Jahren nie wieder zum naturalistischen Stil zurückkehren. 

Hintergrund: Kurt Schwitters wächst in Hannover als Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie auf. Das bürgerliche Elternhaus bietet ihm materielle Sicherheit und ermöglicht ihm das Kunststudium. In seiner Jungend leidet er an Depressionen und psychogenen Anfällen. Diese beschreibt er später als Impuls für seine Hinwendung zur Kunst. 1915 heiratet er Helma Fischer, die er oft porträtiert. Im Elternhaus richtet er ein Atelier ein. Der Erste Weltkrieg, der 1914 ausbricht, berührt ihn zunächst nur indirekt. Die gesellschaftliche Umbruchsituation bildet aber den Hintergrund für seine spätere radikale Neuorientierung. Seiner Heimatstadt Hannover bleibt er bis zur Emigration im Jahr 1937 treu.

Zitate

Ich wurde als ganz kleines Kind geboren. Meine Mutter schenkte mich meinem Vater, damit er sich freute.

Meine Amme hatte zu dicke Milch und zu wenig davon, da sie über die gesetzlich erlaubte Zeit hinaus Milch genährt hatte. Die Amme wurde bestraft. So lernte ich gleich die Bosheit der Welt am eigenen Leibe fühlen – Grundzug meines Wesens: Melancholie.

Mein erster Landaufenthalt. Ich hatte da einen kleinen Garten. Rosen, Erdbeeren, ein künstlicher Berg, ein gegrabener Teich. Im Herbst 1901 zerstörten mir Dorfjungen meinen Garten vor meinen Augen. Vor Aufregung bekam ich Veitstanz. Zwei Jahre krank, völlig arbeitsunfähig. Durch die Krankheit wechselten meine Interessen. Ich bemerkte meine Liebe zur Kunst.

Kurt Schwitters, 1920, in: Sturm Bilderbücher 4, Berlin 1920, S. 1f.

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