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2. Schritte zur Abstraktion

Mit dem Ersten Weltkrieg verändert sich Schwitters’ Kunst. Der Krieg und die tiefgreifende Krise danach erschüttern sein Vertrauen in die alte Ordnung. Die traditionelle Malerei scheint ihm nicht mehr angemessen, um auf die Probleme und Umbrüche seiner Zeit zu reagieren. Mit einigen Jahren Verzögerung folgt er Künstler:innen wie Paul Klee, Jacoba van Heemskerck oder Wassily Kandinsky, die sich der Abstraktion zugewandt haben. Er arbeitet vermehrt mit vereinfachten, reduzierten Formen. Linien und Farben treten in den Vordergrund. Die Bilder verwandeln sich in rhythmische Strukturen aus Hell und Dunkel. Sie vermitteln den Eindruck einer instabilen, unsicheren Welt. Die Z-Zeichnungen und die Abstraktionen von 1918 sind Schwitters’ erste Auseinandersetzung mit der abstrakten Kunst und ein wichtiger Wendepunkt in seinem Schaffen. 

Hintergrund: Aus gesundheitlichen Gründen entgeht Kurt Schwitters dem Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg. Stattdessen muss er als technischer Zeichner in einem Eisenwerk arbeiten. Dort fertigt er Maschinen- und Konstruktionszeichnungen an: präzise Darstellungen mechanischer Bauteile. Gleichzeitig schreibt er Gedichte. Diese sind zunächst konventionell und haben romantische und naturbezogene Themen. Mit dem Fortschritt des Krieges werden die Gedichte expressiver und experimenteller, mit freien Rhythmen und einer expressionistischen, düsteren Sprache. In den letzten Monaten des Ersten Weltkriegs stellt Schwitters erstmals auch in der Berliner Galerie «Der Sturm» aus, die abstrakte und expressionistische Kunst und Literatur fördert und ihm zum Durchbruch verhilft.

Zitate

Macht aller Farbtöne.
Klang aller Formen kraft aller Linien.
Klang aller Formen kraft aller Farben.
Kräfte aller Farbformen.
Kraft aller Planformen.
Kraft aller Raumformen.
Klang aller Kräfte. Spiel aller Klänge.
Merz-Kunst.

Kurt Schwitters, 1920, in: Sturm Bilderbücher 4, Berlin 1920, S. 1f.

Leben wir 
streben wir
sterben wir
Fichtenüberwölbt Welt
sterbestumm leben
glockenumstrahlt streben
sternüberhöht sterben
Glut läutet Welt

Wir, 1917-1918, in: der Zweemann, I, November 1919

Kreisen Welten Du.
Du kreist Welten.
Du überwindest zwitschern Apyl, den Wassern die Maschine.
Welten schleudern Raum.
Du schleuderst Welten Raum.
Welten wenden die neue Maschine Dir.
Dir.
Du, deiner die neue Maschine Raum.
Und Achsen brechen Ewigkeit.
Das Werk, dem wir, uns Erbe, Du.

An Johannes Molzahn. Gedicht 37, 1919

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