6. Schwitters als Publizist
Kurt Schwitters ist nicht nur Künstler und Schriftsteller, sondern auch Typograf, Verleger und Herausgeber. Ab 1923 veröffentlicht er in Hannover die Zeitschrift Merz, um seine Ideen bekannt zu machen. Damit bewirbt er seine eigene «Merzkunst» und baut seine «Marke» weiter aus. Gleichzeitig veröffentlicht er Texte über die künstlerische Avantgarde. Schwitters legt grossen Wert auf die Gestaltung der Hefte. Er nutzt die Zeitschrift, um mit neuen Schriftarten, Drucktechniken und Gestaltungsmitteln zu experimentieren. Einige Beiträge erscheinen in Französisch oder Niederländisch, was für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich ist. Ausserdem lädt Schwitters befreundete Künstler:innen zu Beiträgen für die Zeitschrift ein, wie etwa Hans Arp und El Lissitzky.
Hintergrund: In der künstlerischen Avantgarde der Zwischenkriegszeit werden experimentelle Zeitschriften zu einem wichtigen Medium. Künstler:innen wie Kurt Schwitters nutzen das Zeitschriftenformat, um revolutionäre neue Ideen zu verbreiten, sich von der traditionellen Kunst loszusagen und durch gewagte Gestaltung Aufmerksamkeit zu generieren. Sie experimentieren mit auffälliger Typografie, schreiben mehrsprachig und verweisen aufeinander. Viele Zeitschriften enthalten Manifeste, fordern einen radikalen Neubeginn und beeinflussen schon bald auch die Werbeindustrie und das kommerzielle Grafikdesign.