10. Internierung in England
1940 marschiert die deutsche Wehrmacht in Norwegen ein. Kurt und Ernst Schwitters sind gezwungen, erneut zu fliehen. Unter abenteuerlichen Umständen gelangen sie 1940 nach England, wo sie als feindliche Ausländer in einem Lager auf der Isle of Man interniert werden. Ihre Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt und die Zukunft unsicher. Sie befinden sich dort allerdings in Gesellschaft zahlreicher Intellektueller, Musiker, Professoren und Künstler. Schwitters zählt zu den bekanntesten Internierten. Es entwickelt sich eine lebendige Kulturszene im Camp: es werden Vorträge gehalten und Ausstellungen organisiert. Die Internierten nutzen, was sie haben, um ihre Tätigkeit und ihr Leben weiterzuführen. Auch Schwitters arbeitet weiter, obwohl er an Depressionen leidet. Nach der Isolation in Norwegen fühlt sich Schwitters hier erstmals wieder unter Gleichgesinnten. Er fertigt zahlreiche Porträts seiner Mitgefangenen an und verkauft sogar einige Gemälde.
Hintergrund: Im Zweiten Weltkrieg ist das Hutchinson Camp auf der Isle of Man ein Internierungslager für Männer aus Deutschland und Österreich, die in Grossbritannien leben. Seit Kriegsbeginn gilt die Regelung, dass alle betroffenen Staatsangehörigen als feindliche Ausländer eingestuft werden – auch jene, die vor der Verfolgung durch das NS-Regime geflohen sind. Das Camp besteht aus mehreren Strassenzeilen der Stadt Douglas, deren Bewohner umgesiedelt wurden, und umfasst einen kleinen Park. Schwitters arbeitet mit allen Materialien, die er im Camp vorfindet, darunter auch Speisereste. Er lernt Englisch und veröffentlichte erste Texte in Englisch.