11. «Merzzeichnungen» III: Späte Jahre
Die späten Collagen von Kurt Schwitters entstehen unter schwierigen Bedingungen in London und in Ambleside im Lake District. Das Leben in London während des Zweiten Weltkriegs ist gefährlich und beschwerlich. Zugleich bietet die Stadt viele interessante Materialien an, die künstlerisch genutzt werden können. Die Eindrücke der Grossstadt London regen Schwitters an, wieder verstärkt Collagen herzustellen. Dies spiegelt sich in seinen Collagen dieser Zeit. Viele Arbeiten basieren auf Bildvorlagen aus farbigen Zeitschriften. Manche sind mit englischen Textelementen kombiniert. Schwitters versucht spielerisch, die neue Sprache zu lernen und sich anzupassen. Da er in England zunächst kaum Bekannte und Förderer hat, verschickt er viele Collagen per Post an Sammler:innen und Freund:innen im Ausland, um den Kontakt zu halten und etwas Geld zu verdienen. So verbinden diese Werke persönliche Not, sprachliche und kulturelle Anpassung und die Fortführung seiner «Merz»-Idee unter neuen Umständen.
Hintergrund: Nach seiner Entlassung aus dem Internierungslager 1941 zieht Schwitters mit seinem Sohn Ernst nach London, wo sie in einer winzigen Wohnung leben. Schwitters bemüht sich, in der Londoner Kunstszene Fuss zu fassen und nimmt an mehreren Ausstellungen teil. Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten ist Schwitters auf Verkäufe und auf Kontakte mit Förderern im Ausland angewiesen. 1944 erfährt Schwitters vom krebsbedingten Tod seiner Ehefrau Helma in Hannover – 1939 hatten sie sich zuletzt gesehen. In England lernt Schwitters seine neue Lebensgefährtin Edith Thomas kennen. Nach Kriegsende ziehen sie in den malerischen Lake District im Norden Englands, wo Schwitters wieder Landschaften und Porträts malt. Er ist zunehmend gesundheitlich geschwächt. Dennoch ist er weiterhin künstlerisch tätig und bemüht sich – allerdings vergeblich – um Auswanderungsmöglichkeiten in die USA.