Digital Guide

C

Umweltschützer

Für seine immer zahlreicher und grösser werdenden Projekte benötigt Roberto Burle Marx einheimisches Pflanzenmaterial, das im Handel nicht ausreichend verfügbar ist. Er organisiert deshalb Expeditionen in verschiedene Regionen Brasiliens, um mit seinem Team Pflanzen zu sammeln. Sie erfassen über hundert bisher nicht wissenschaftlich katalogisierte Arten, rund dreissig davon tragen heute den Namenszusatz «burle-marxii». Im heutigen Sítio Roberto Burle Marx legt er dafür eine Pflanzensammlung an, die etwa 3500 Arten aus Brasilien und anderen Weltgegenden umfasst. Einige dieser Pflanzen sind extrem selten und durch Abholzung, Industrialisierung und extensive Landwirtschaft in der freien Natur verschwunden. Gegen die Bedrohung der heimischen Artenvielfalt durch Ausbeutung der natürlichen Ressourcen sowie gegen die Verdrängung durch Besiedlung, Industrie und Monokulturen beginnt sich Burle Marx schon in den 1960er-Jahren zur Wehr zu setzen. Er wird Mitglied des Bundeskulturrates unter der 1964 errichteten Militärdiktatur. In dieser Funktion reicht er Anträge gegen die Entwaldung und Zerstörung der Artenvielfalt ein, die die Kehrseite des «Wirtschaftswunders» Brasiliens bilden. Er ist damit einer der ersten Umweltschützer, die sich in Brasilien für die Biodiversität einsetzen und früh vor den Folgen für das Klima warnen. Seine Anliegen sind heute noch genau so aktuell wie vor sechzig Jahren.

Die sechs Ökoregionen Brasiliens

Amazonas
Fast die Hälfte Brasiliens wird vom Amazonas Regenwald eingenommen, der sich durch eine enorme Artenvielfalt auszeichnet. Es ist der grösste zusammenhängende Regenwald der Erde, der eine wichtige Funktion als Klimaregulator erfüllt. Er ist bedroht durch Infrastrukturprojekte und Bergbau, durch Abholzung und Brände, teils gelegt zugunsten von Rinderhaltung und Monokulturen. 1983 organisieren Burle Marx und sein Team eine zweimonatige Expedition durch den Amazonas und thematisieren die besorgniserregende Lage im Anschluss in Vorträgen. 

Pantanal
Der Pantanal ist ein tropisches Feuchtgebiet, in dem sich Trocken- und Überschwemmungszeiten abwechseln. Es zeichnet sich durch eine aussergewöhnlich hohe Dichte an Tierbestand aus (Jaguare, Kaimane, Capybaras, Aras).

Pampa
Die Pampa im Süden Brasiliens hat ein gemässigtes bis subtropisches Klima und wird vorwiegend von Grasland und Steppen mit wenig Bäumen bedeckt.

Cerrado
Knapp ein Viertel Brasiliens wird von der Ökoregion Cerrado eingenommen. Diese Region ist eine tropische Savanne mit Regen- und Trockenzeiten, in der Gräser, Sträucher und niedrige Bäume wachsen. Der Cerrado ist die artenreichste Savanne der Welt und wichtiges Quellgebiet vieler Flüsse Brasiliens. Die Artenvielfalt hat sich durch intensive Landwirtschaft und Übernutzung der Wasserressourcen stark reduziert. Der Cerrado ist schlechter geschützt als der Amazonas und verliert rapide an naturnaher Fläche.

Caatinga
Die Caatinga ist eine heisse und trockene Savanne mit langen Dürreperioden, die rund zehn Prozent der Fläche Brasiliens einnimmt. Kakteen, Dornsträucher und Trockenwälder dominieren die Vegetation, wobei eine fortschreitende Wüstenbildung stattfindet.

Mata Atlântica
Als Mata Atlântica wird der tropische bis subtropische Regenwald entlang der Küste bezeichnet, er umfasst rund dreizehn Prozent der Fläche Brasiliens. Hier gibt es verschiedene Vegetationszonen mit dichten Regen- und Nebelwäldern, Mangroven und karger Küstenvegetation. In dieser Zone befinden sich die Hauptballungszentren Brasiliens. Durch Verstädterung, Industrie und Landwirtschaft sind weniger als zehn Prozent der ursprünglichen Fläche erhalten. Es ist weltweit eine der Ökoregionen, deren Artenvielfalt am stärksten dezimiert ist. 

Schliessen