Digital Guide

Anne Loch

Einleitung

«Hinter jeder Arbeit steht das ‹Na und›.»

Anne Loch, 1946 in Deutschland geboren, ist eine Malerin, die international bisher wenig Beachtung gefunden und grösstenteils abseits der Öffentlichkeit gearbeitet hat. Als Malerin ist sie Vertreterin einer gegenständlichen Bildsprache.

Anne Loch studiert in den 1970er‑Jahren in Düsseldorf Malerei und ist anschliessend in der Kölner Kunstszene aktiv, einem Zentrum der zeitgenössischen Kunst im damaligen Westdeutschland. Dort stellt sie gemeinsam mit Künstlerinnen wie Rosemarie Trockel, Jenny Holzer oder Cindy Sherman aus. Eine erfolgreiche Künstlerinnenkarriere scheint vorgezeichnet. 1988 zieht sie sich jedoch radikal zurück und lässt sich in Thusis in der Schweiz nieder. Dort arbeitet sie im Stillen weiter und stellt nur noch vereinzelt aus, unter anderem in der Berner Galerie Friedrich. 2001 kehrt sie nach Deutschland zurück und schottet sich weitgehend von der Aussenwelt und vom Kunstbetrieb ab. 2014 verstirbt sie nach kurzer Krankheit im Bergell.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzt sich zunächst die abstrakte Kunst durch – etwa der abstrakte Expressionismus, die Minimal Art oder die Konzeptkunst. Erst in den 1970er‑Jahren kehrt die Malerei wieder zur «sichtbaren» Welt zurück. Anne Loch nimmt in dieser Entwicklung eine Pionierrolle ein. Dabei entwickelt sie eine unverwechselbare Bildsprache.

Auf den ersten Blick wirken ihre Motive trivial. Durch die monumentale Vergrösserung verlieren die Bilder jedoch den Bezug zum Dargestellten und zur Wirklichkeit. Tatsächlich interessiert sich Anne Loch vor allem für das Malen an sich – für die Auseinandersetzung mit Farbe, Oberfläche und Raum. Oder, wie Anne Loch es selbst formuliert: «Ich male nur Striche und ihr Verhältnis zueinander.»

Immer wieder widmet sie sich denselben Motiven, experimentiert jedoch mit unterschiedlichsten Techniken. Ihr Werk reicht von farbintensiv bemalten Leinwänden bis zu sparsamen Kompositionen aus wenigen Strichen. Ihre Arbeit lädt dazu ein, Malerei nicht als Abbildung der Welt, sondern als eigenständige Form des Sehens und Erlebens zu begreifen.

Biografie

1946 Geboren am 11. Dezember in Minden (Nordrhein-Westfalen).

1968 – 1971 Ausbildung zur Modedesignerin und Arbeit als Schneiderin.

1972 – 1978 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, Meisterschülerin von Klaus Rinke, bei dem u. a. Harald Klingelhöller, Reinhard Mucha und Ulrich Loock studieren.

1979 Aufenthalte in Venedig und Ravenna.

1980 Im Frühsommer zieht Anne Loch nach Neapel, wo sie am 23. November das verheerende Irpinia-Erdbeben miterlebt. Sie verkehrt in den Kreisen um Lucio Amelio, Gründer einer Galerie, die seit 1964 auf die damalige internationale Avantgarde ausgerichtet ist.

1981 Ausstellung im Goethe-Institut in Neapel.

1982 Ausstellung im Klapperhof 33 in Köln u. a. mit Peter Fischli, Gerard Klever, Milan Kunc, Rosemarie Trockel und David Weiss.

1984 Rückkehr nach Köln. In den folgenden Jahren entstehen farbige Blumen- und Landschaftsbilder in monumentalen Formaten. Anne Loch gehört mit Rosemarie Trockel, Jenny Holzer, Barbara Kruger und Cindy Sherman zu den Künstlerinnen, die von der 1983 durch Monika Sprüth in der Kölner Altstadt gegründeten Galerie vertreten und besonders gefördert wurden. Monika Sprüth zeigt das Werk von Anne Loch in mehreren Ausstellungen. Bekanntschaft mit Günther Förg, Walter Dahn und den «Neuen Wilden» Martin Kippenberger und Volker Tannert.

1987 Erste Einzelausstellung im Neuen Aachener Kunstverein.

1988 Einzelausstellung im Bonner Kunstverein. Anne Loch wendet sich vom Kunstbetrieb im Rheinland radikal ab. Sie trennt sich von ihrem Ehemann und den zwei Adoptivkindern und zieht sich im Bündnerischen Thusis auf sich selbst zurück. Bis 2002 entstehen rund 500 meist grossformatige Werke. Bekanntschaft mit dem Berner Galeristenpaar Erika und Otto Friedrich, die der Künstlerin in den folgenden Jahren in Bern mehrere Ausstellungen ausrichten.

1989 Beginn einer jahrelangen, letztlich unerfüllbaren Liebesgeschichte, die in eine wichtige Schaffensperiode fällt. Anne Loch beginnt mit der Aufnahme von Sprechbändern, die sie später zu Tagebüchern erarbeitet (unveröffentlicht). Die Auseinandersetzung mit der Natur und der Landschaft in der Malerei beschäftigt sie nach wie vor. Auf ausgedehnten Wanderungen, im Atelier und aus Fernsehsendungen entstehen unendlich viele Fotografien.

1991 Einzelausstellung HINTERRHEIN INDIFFERENTI, Galleria Toselli, Mailand.

1994 Ausstellung Oltre la montagna dipinta im Studio d’arte Raffaelli, Trento u. a. mit Helgi Fri.jónsson, Jan Knap, Karin Kneffel und Salvo.

1995 Filmskizzen Anarche und Der Tag.

2001 Rückkehr aus Thusis nach Duisburg, 2008 Umzug nach Essen. Anne Loch ist nur auf ihre Arbeit konzentriert. Zur Kunstszene, zu Galerien oder zu Kunstinstitutionen pflegt sie wenig oder keinen Kontakt. Anne Loch arbeitet weiter an den in der Schweiz begonnenen Werkgruppen. Gleichzeitig wendet sie sich neuen, immer noch grossformatigen Bildern zu. Es entstehen Arbeiten auf blendend weissem Hintergrund: Schafe, Rehe, Bäume, Blumen, Landschaften, aber auch abstrakte Formen. Sie malt und zeichnet mit Acryl. Die Farb-töne reichen von Bronze und Zinn über Braun, Schwarz und Blau bis zu sattem Krapprot. Mit Permanentmarkern zeichnet und malt sie grosse Landschaften und Tiere auf weissen oder grob gespachtelten Hintergründen. Fotografie und Schreiben sind weiterhin Teil ihres Schaffens.

2013 Diagnose einer schweren Krebserkrankung. Rückzug ins Bergell, Betreuung durch Freunde. Trotz allem widmet sich Anne Loch weiter an Fotobearbeitungen und schreibt viel – bis in ihre letzten Lebenstage.

2014 Anne Loch stirbt am 4. April in Promontogno (Bergell).

2017 Einzelausstellung Anne Loch. Künstliche Paradiese im Bündner Kunstmuseum Chur.

2026 Einzelausstellung Anne Loch. Malerei: Na und? im Zentrum Paul Klee in Bern.

Ich als Person muss standhalten. Wenn ich mit meinem Kopf auf der Erde und den Beinen in der Luft lebe, und das in meinem Alltag durchhalte, dann darf ich in der Kunst nicht anfangen, Kompromisse zu machen.

Begleitprogramm

Führungen / Visites guidées / Guided tours / Visite guidate

Kunst über Mittag
Dienstags, 12:30 (jede 2. Woche, siehe Website)

Öffentliche Führung
Samstags, 15:00 | Sonntags, 13:30

Visites guidées / Guided tours / Visite guidate
Français : 2.8. / 13.9.2026, 15:00
English: 23.8.2026, 15:00
Italiano: 30.8.2026, 15:00

Freundeskreis Zentrum Paul Klee
Donnerstag, 6. August 2026, 18:00
Führung mit Amélie Joller (Kuratorin) und Expert:innen des Hauses. Exklusiv für Mitglieder

Einführung für Lehrpersonen
Mittwoch, 12. August 2026, 14:00
Eine Einführung für Lehrpersonen zur aktuellen Ausstellung mit Tipps für den Besuch mit der Schulklasse.

Kunst und Religion im Dialog
Sonntag, 16. August 2026, 15:00
Gaby Knoch-Mund (Haus der Religionen / Jüdische Gemeinde Bern) im Dialog mit Dominik Imhof (Zentrum Paul Klee)

Bilderclub
Donnerstag, 20. August 2026, 15:00–16:30
Samstag, 19. September 2026, 11:00–12:30
Eine offene Gruppe von Kunstinteressierten, die sich regelmässig trifft, um sich mit einem einzelnen Kunstwerk auseinanderzusetzen.

Sinn-Reich
Samstag, 29. August 2026, 13:00
Eine alle Sinne ansprechende Führung für Menschen mit und ohne Behinderung. Mit Gebärdensprachdolmetscher:in und induktiver Höranlage.

 

Creaviva

Fünfliber-Werkstatt
Di – So 10:00 – 17:00
Einfache Fotoanleitungen, kurzweilige Ideen und monatlich wechselnde Themen animieren zum eigenständigen Gestalten und kreativ Verweilen.
Für Kinder ab 4 Jahren, Jugendliche, Erwachsene und die ganze Familie

Offenes Atelier
Di – Fr 14:00 / 16:00
Sa – So 12:00 / 14:00 / 16:00
Einstündige Gestaltungsworkshops im Atelier.
Im Juli, August und September mit monatlich wechselnden Themen und Techniken in Anlehnung an die Ausstellung Anne Loch. Malerei: Na und? Für Kinder ab 4 Jahren, Jugendliche, Erwachsene und die ganze Familie

Familienmorgen
Sonntags, 10:15 – 11:30
Workshop im Atelier mit interaktivem Ausstellungsrundgang:
Ab 26. Juli 2026 mit Anne Loch den eigenen künstlerischen Ausdruck entdecken.
Für Familien mit Kindern ab 4 Jahren

Impressum

Digital Guide

Umsetzung: Netnode AG
Projektleitung: Dominik Imhof
Übersetzungen: Gegensatz Translation Collective

Das Zentrum Paul Klee ist barrierefrei und bietet inklusive Veranstaltungen an.

Kultur inklusive

Publikation

Anne Loch. Malerei: Na und? Anne Loch. Painting: So what!
DE/EN, mit Texten von Amélie Joller, Marta Dziewanska, Abraham David Christian, André Born, Mousse Publishing. Ca. 200 Seiten.
Erhältlich im Museumsshop.


 Mit Unterstützung von

Kanton Bern Swisslos Kultur Kanton Bern Burgergemeinde Bern

Ausstellungstexte